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Die Blaukehlagame - Acanthocercus atricollis  (SMITH 1849)


Blaukehlagame

In der Gattung Acanthocercus Fitzinger 1843 sind zurzeit sind folgende Arten valide:
Die arabischen Arten Acanthocercus adramitanus ANDERSON 1896 und A. yemenensis KLAUSEWITZ 1954
sowie die afrikanischen Arten: A. annectens BLANFORD 1870, A. atricollis SMITH 1849, A. branchi WAGNER, GREENBAUM & BAUER, 2012, A. cyanogaster RÜPPELL 1835, A. guentherpetersi LARGEN & SPAWLS 2006 und A. phillipsii BOULENGER 1895.
Auch für die Gattung Acanthocercus erwarten uns zukünftig umfangreichere systematische Revisionen.  

 

Kurzbeschreibung

Bei den Blaukehlagamen Acanthocercus atricollis handelt es sich um ca. 30 – 35 cm große Echsen, bei denen gut die Hälfte der Gesamtlänge auf den Schwanz entfällt.
Die Grundfarbe der Tiere ist ein grau bis beige-gelb mit teilweise kräftiger Rückenzeichnung, wobei die Weibchen etwas dunkler erscheinen. Die Bauchseite ist insgesamt deutlich heller gefärbt. Beiden Geschlechtern gemeinsam ist eine deutliche Zeichnung der Kehlregion, die in einem blau-gelb erscheint und sich beim Männchen im Erregungszustand z. B. bei Balz- oder Drohgebärden in ein kräftiges dunkelblau verfärbt. In diesem Zustand ist beim Männchen der gesamte Kopf bis zu den Vorderbeinen in einem brillanten Türkis gefärbt, der Rücken erscheint heller, mit gelblicher Zeichnung und auch die Schwanzspitze färbt sich leicht Türkis.
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung erstreckt sich von Ostafrika (Äthiopien / Somalia) bis nach Südafrika, die Art A. atricollis beschränkt sich auf Süd-Afrika, incl. “Portugese Est Africa, N Rhodesia, Portugese West Africa” laut WERMUTH 1967 (www.reptile-database.org).
Die Tiere bevorzugen offene Baumsavannen und sind vorwiegend auf Akazien und Brachystegia zu finden.

Pärchen Blaukehlagame

 

Terrarienhaltung

Entsprechend den Bedürfnissen dieser, wie der engl. Trivialname „Blue-headed Tree Agama“ sagt, Baum bewohnenden Agamen, ist das Terrarium höher als breiter zu planen. Eine Höhe von min. 120cm sollte nicht unterschritten werden.
Eine Haltung von mehreren Männchen ist nicht möglich, da die Echsen mit einsetzender Geschlechtsreife im Alter von ca. 1 Jahr Reviere bilden und kein anderes Männchen dulden.
Ich selbst pflege 1,1 A. atricollis in einem Delta-Terrarium mit 120cm Höhe und einer Schenkellänge von 70cm. Dies halte ich nach jetziger Erfahrung für die Untergrenze an Terrariumsgröße für eine Paarhaltung.
Das Terrarium sollte gut strukturiert sein, viele Klettermöglichkeiten in Form von Stämmen und Ästen bieten und es sollte für jedes Tier ein Sonnenplatz vorhanden sein. Auch eine bekletterbare Rückwand wird gerne angenommen.
Als Schlafplätze werden Korkröhren, die im oberen Drittel angebracht sind, genutzt.
Der Bodengrund besteht in meinem Terrarium aus einem grabfähigen Sand-Lehm-Kokosfasermix.
Durch die Beckenhöhe variieren die Temperaturen im Terrarium von ca. 22°C in Bodennähe und 30°C im oberen Bereich. An den beiden Sonnenplätzen werden Temperaturen von 42°C erreicht.
Dem hohen Lichtbedürfnis dieser Agamen Rechnung tragend ist mein Terrarium mit
1x 39W und 1x 12W T5-Röhren sowie 2x 70W Bright Sun der Firma Lucky Reptile beleuchtet. Die Bright Sun dienen auch als Wärmequelle für die Sonnenplätze, die von den Tieren sehr ausgiebig genutzt werden.

Terrarium für Blaukehlagame

 

 

Ernährung

A. atricollis ernähren sich omnivor. Insekten werden jedoch deutlich bevorzugt. Hier wird so ziemlich alles gefressen, was sechs oder mehr Beine hat und überwältigt werden kann.
Lieblingsspeise scheinen jedoch im Terrarium Wespen oder Fliegen zu sein, die mit unglaublicher Geschicklichkeit erbeutet werden. Ein Zusammenhang besteht hier möglicherweise mit den bevorzugten Aufenthaltsplätzen auf Akazien und Brachystegia, einem Charakterbaum der Savannen Afrikas, auf denen sich Nektar suchende Insekten wie Bienen tummeln.
An pflanzlicher Nahrung werden Golliwoog sowie Kräuter und Salate gut gefressen. Bei meinen Blaukehlagamen habe ich beobachtet, dass sie auch getrockneten Löwenzahn und Wiesenheu nicht verschmähen.
Eine Wasserschale ist vorhanden, wird jedoch nicht oft genutzt. Viel lieber nutzen die Tiere das Sprühwasser von Pflanzen oder Wänden.<br>
Acanthocercus atricollis sind sehr interessante Terrarienpfleglinge, die durch ihr teilweise lebhaftes Verhalten auffallen. Oft sitzen sie an exponierten Stellen und beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Nähert man sich mit Futter, ist es mit der Ruhe im Terrarium vorbei und alle Vorsicht seitens der Tiere ist vergessen.

 

Nachzucht

Verlässliche Angaben zu erfolgreichen Nachzuchten und zu Inkubationstemperatur und –dauer sind zurzeit kaum zu erhalten. Die widersprüchlichen Angaben schwanken von 24°C bis 29°C bei der Inkubationstemperatur und einer Zeitigungsdauer von 30 – 60 Tagen.<br>
Ein Grund hierfür sind möglicherweise die unklaren Herkunftsgebiete der Terrarienpfleglinge.

Blaukehlagame

Literatur

BARTS, M. 2003. Die Agamen des südlichen Afrikas. Draco 4 (14): 70-79


PIETERSEN, E. and D. PIETERSEN 2001. Acanthocercus atricollis Southern Tree Agama African Herp News (33):14


REANEY, L.T., and M.J. WHITING. 2002. Life on a limb: ecology of the tree agama (Acanthocercus a. atricollis) in southern Africa. Journal of Zoology 257:439-448


WAGNER, P., E. GREENBAUM & A. BAUER 2012. A new species of the Acanthocercus atricollis complex (Squamata: Agamidae) from Zambia. Salamandra 48 (1): 21-3

 

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JÜRGEN BEDNARSKI

 

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